Das umfassende Handbuch, aktuell zu Ubuntu 11.04 »Natty Narwhal«

Autor: Marcus Fischer
Verlag: Galileo Computing, aktualisierte und erweiterte Auflage 2011, Hardcover mit 2 DVDs, 39,90 Euro, ISBN 978-3-8362-1765-1

Klappentext:
Umfassender geht es nicht: Die sechste Auflage dieses Standardwerks zeigt Ihnen von der Installation bis zur Administration alles, was Sie über die beliebteste Linux-Distribution wissen müssen. Ob Sie Ubuntu als Einsteiger oder Profi auf Ihrem Desktop-Rechner, Notebook oder als Server verwenden: Sie werden schnell von seiner Benutzerfreundlichkeit, Stabilität und Sicherheit überzeugt sein. Dieses Buch beantwortet alle Fragen von Anwendern und Administratoren ausführlich und leicht verständlich: Angefangen von der Benutzung des neuen Standarddesktops »Unity« über Software- Verwaltung, Migration, Optimierung und Serverdienste bis hin zur Virtualisierung werden alle zentralen Themen behandelt.

Zum Buch:
Erster Eindruck:
Nach dem Auspacken des Buches entsteht der erste Whow-Effekt. Das Buch ist nicht nur dick, sondern enthält 2 CDs, ist äußert schön gemacht und hat ein Lesebändchen, eine Wohltat für den geplagten Leser.
Ein erster Blick ins Inhaltsverzeichnis führt zum Conclusio: Da ist alles drin, was man über Ubuntu wissen sollte und wollte.
Nach dem Leitfaden über die Benutzung des Buches, den man unbedingt lesen sollte, stellt man fest, dass sich der Autor sehr viele Gedanken über die Verwendbarkeit des Buches gemacht hat. Bei technischen Handbüchern gibt es bunte Bücher, die dekorativ und regaltauglich sind, und sogenannte Bibeln, ohne die ein Benutzer in Zukunft kaum noch leben kann. Und dieses Handbuch hat zweifellos Bibel-Potential!
Schon auf den ersten Seiten wird klar, dass der Anfänger mitgenommen wird, und dass sich für den fortgeschrittenen Leser durch die saubere Strukturierung sehr schnell der Bibeleffekt einstellt. Die Tipps sind nicht nur für Anfänger da und bei Detailinformationen, in den grauen Kästchen, kann mit einem Blick festgestellt werden, ob man sie überspringen oder lesen will.
Beeindruckend ist historische Übersicht von Linux und Ubuntu. Dieses Kapitel ist sehr detailliert, interessant und doch nicht zu lang. Es ist nicht nur für Historiker interessant wie die Entwickler zu so außergewöhnlichen Versionsnamen wie "Lucid Lynx" ("Aufgeweckter Luchs") oder "Hoary Hedgehog" ("Altersgrauer Igel") kommen.
Sehr angenehm fällt auf, dass der Autor kein Ubuntu Fanatiker ist. Er zeigt die Stärken und Schwächen des Systems auf. Die Vergleiche zwischen Windows und Ubuntu/Linux werden sehr sachlich abgehandelt und enden nicht in einem Glaubenskrieg der Systeme. So gibt er auch wertvolle Tipps zur Migration und Synchronisation der Daten. Besonders auf den Transfer der E-Mai Daten wird ein großes Augenmerk gelegt. Aber auch die Lesezeichen der verschiedenen Webbrowser kommen nicht zu kurz. Selbst an einen systemübergreifenden Datenaustausch wurde gedacht. Das zeugt von großer Praxisnähe und von Verständnis für einen unbedarften Benutzer. Diesem Stil bleibt er auch bei der Beschreibung der verschiedenen Benutzeroberflächen treu. Es soll schließlich der Benutzer entscheiden, ob er sich für Gnome, Unity, KDE, usf. entscheidet. Sehr hilfreich, gerade für Umsteiger, sind die Kapitel 8 (Programme und Pakete installieren) bis Kapitel 12 (Multimedia). Zuerst erfährt der Leser ausführlich, wie man Programme installiert. Danach zeigt der Autor eindrucksvoll, wie man mit dem Internet und E-Mails umgeht, und wie man Office Anwendungen, also Textverarbeitung, Tabellenkalkulation, Präsentation, usf. verwendet. Es wird auch auf so wichtige Themen, wie einen Drucker einzurichten oder Bluetooth-Verbindungen, nicht vergessen. Im Kapitel 11 widmet sich der Autor der Grafik und Bildbearbeitung. Die Palette reicht vom Zeichenprogramm bis hin zur Fotobearbeitung. Es werden auch Programme vorgestellt, die die Verwaltung von tausenden Fotos stark vereinfachen. Natürlich dürfen Multimedia Anwendungen nicht fehlen. So liefert Kapitel 12 Informationen von CDs brennen bis hin TV-Karten.
Es wird nicht jedes Programm im Detail dokumentiert, das würde auch den Rahmen des Buches bei Weitem sprengen. Aber es ist gut zu wissen, welche Programme wie zu installieren sind und wo man sie findet. Das erleichtert den Einstieg in Ubuntu ungemein. Vor allem Windows Umsteiger werden dankbar für diese Kapitel sein.
Der Teil 3 (Administration) des Buches beginnt mit einer Einführung in die verschiedenen Programmiermöglichkeiten von Ubuntu. Das reißt einen alten Programmierhasen nicht gerade vom Hocker. Aber als Einstieg für den unbedarften Programmierumsteiger ist es ganz interessant, was man so an Programmiersprachen zur Verfügung hat.  Die Beschreibung der Paketverwaltung ist sehr informativ und bringt grundsätzliches Verständnis für Anwender und Systembetreuer. Richtig ans Eingemachte geht es ab Kapitel 15, in dem die Architektur von Linux und speziell von Ubuntu beschrieben wird. Da schlägt auch das Profiherz höher. Endlich hat man eine kompakte Beschreibung wie grub funktioniert, wie Linux aufgebaut ist und wo und wie man in die Tiefen des Systems eintauchen oder auch eingreifen kann, wenn man kann. Spätestens ab jetzt sollte der unbedarfte Ausprobierbenutzer nur noch lesen und staunen und NICHT mehr ausprobieren, außer man will das System mutwillig zerstören.
Jedem Systemadministrator, der schon immer wissen wollte, was sich unter der Oberfläche abspielt, geht das Herz auf. Spätestens dann, wenn man Tipps bekommt, wie man ein "zerstörtes" System vielleicht doch noch retten kann. Themen wie mounten, swappen, Filesystem Hierarchie, Kernel und Benchmarking lassen die Augen eines Freaks glänzen. Trotzdem sollte der "gewöhnliche" Benutzer einmal drüberlesen, denn so Tipps wie „Tipp 223: X-Server-Neustart“, erleichtern das Leben ungemein. Der Autor zeigt eindrucksvoll, dass Linux nicht immer gleich neu gebootet werden muss, wenn mal etwas nicht ganz so funktioniert wie es soll.
Kapitel 18 zeigt, wie man einen Server aufsetzt. Hier wird sich nur mehr Profi zurecht finden, obwohl das Kapitel sehr gut zu lesen ist. Es werden sowohl verschiedene Versionen (32/64 Bit) sowie Dimensionierung der Hardware, Sicherungen und vieles mehr behandelt. Natürlich dürfen Netzwerke, Datenbankserver und gemeinsame Druckernutzung nicht fehlen.
Der Teil 5 (Hilfe und Referenz) befasst sich mit Situationen, die eigentlich nicht vorkommen sollten. Aber nicht nur das Thema „Wenn nichts mehr geht“ wird behandelt, sondern auch so Tipps, die man eigentlich nicht erwartet hätte. Oder wussten Sie, dass man sich im Terminalmodus mit espeak einen Text vorlesen lassen kann? Jeder Systemadministrator wird in Freudenschreie ausbrechen, wenn er sich in dieses Kapitel vertieft. Der Autor bietet Lösungen für falsch konfigurierte Tastaturen, SCSI und USB Geräte, Mäuse und Soundkarten an. Eine umfangreiche Befehlsreferenz für die Konsole rundet Teil 5 ab.
Abschließend stellt sich nun die Frage: „Ist es eine Bibel oder nicht?“ Das lässt sich nicht eindeutig beantworten. Für den Anfänger, Fortgeschrittenen und zum Teil auch für den Profi, ist dieses Buch definitiv eine Bibel. Es liegt auch auf meinem Schreibtisch. Für den Superprofi, der in die tiefsten Tiefen von Ubuntu bzw. Linux eintauchen will, wird das Buch an manchen Stellen doch zu wenig tief gehen. Aber seien wir ehrlich: Ein Superprofi braucht wahrscheinlich kein handelsübliches Buch, der schreibt es wahrscheinlich. Alle andern werden sicherlich eine große Freude daran haben.

Über den Autor:
Marcus Fischer arbeitet als Physiker an der Universität Hamburg. Seit vielen Jahren beschäftigt er sich daneben intensiv mit Linux-Systemen, System-Administration sowie Virtualisierung und hat bereits mehrere Bücher zu diesen Themen geschrieben. Darüber hinaus veröffentlich er regelmäßig in Fachzeitschriften.
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